Begrüßungsrede von Dr. Joachim Heise

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde und Förderer unseres Instituts,

Ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüßen. Mein besonderer Gruß gilt den Mitgliedern unseres Träger- und Fördervereins, seinem Vorstand mit seinem Vorsitzenden Bischof a. D. Prof. Axel Noack.

Ganz herzlich begrüßen möchte ich Frau Dr. Ursula Dähn, die unsere Arbeit von Anbeginn unterstützt und auch das Preisgeld für den Horst-Dähn-Preis in Höhe von 1000 € gestiftet hat.

Ein herzliches Willkommen sage ich den bisherigen Preisträgern und -trägerinnen des Horst-Dähn-Preises 2013 und 2014. Von den Preisträgerinnen 2013 konnte leider Frau Dr. Stache wegen anderer Verpflichtungen nicht teilnehmen, und auch die Preisträger 2014, Prof. Dr. Rudolf Mau und Dr. Friedrich Winter, können heute nicht hier sein. Zur gleichen Zeit, zu der wir hier beisammen sind, wird Frau Henkys zu Grabe getragen. Jürgen Henkys ist selbst schwer erkrankt und kämpft um sein Leben. Unsere Gedanken sind in dieser schweren Stunde bei ihm und seiner Familie. Umso mehr freuen wir uns, dass Ruth Pabst, eine der beiden Preisträgerinnen 2013, heute unter uns weilt. Herzlich willkommen Ruth Pabst. Mit besonderer Freude begrüße ich nicht zuletzt die heutige Preisträgerin, Frau Dr. habil. Anke Silomon, ihre Familie und Freunde sowie den heutigen Laudator, den Journalisten Gerhard Rein.

Heut' ist trotz aller Betrübnis für uns ein schöner Tag: Wir feiern gemeinsam mit Ihnen allen den 22. Gründungstag unseres Instituts und verleihen zum 3. Mal den Horst- Dähn-Preis an Persönlichkeiten, die sich besondere Verdienste bei der Erforschung der Geschichte der Kirchen im 20. Jahrhundert, speziell in der DDR, erworben haben.

Man will es kaum glauben. Es ist nunmehr 22 Jahre her, dass sich 7 Leute aufgemacht haben, um am 27. Oktober 1993, am Geburtstag von Pastorin Be Ruys, im Haus in der Limonenstraße ein Institut zu gründen, das sich in die Auseinandersetzungen um die Geschichte der Kirchen und der staatlichen Kirchenpolitik in der DDR und anderen realsozialistischen Ländern einmischt. Die politischen Wellen um dieses Thema schlugen damals hoch, und wir gerieten schnell in Gefahr, von ihnen verschlungen zu werden. Viele hatten geglaubt und manche auch erhofft, dass unsere Existenz alsbald der Geschichte angehören werde. Sie hielten uns auch für ein Wölkchen, das schnell vorüberziehen würde, wie es Bischof Dibelius in Bezug auf die DDR prognostiziert hatte. Verdächtigen, Totschweigen und vom wissenschaftlichen Diskurs ausschließen, das gehörte zum Arsenal derer, die versuchten, die Deutungshoheit über die Geschichte der DDR und der Kirchen in diesem Land für sich zu reklamieren.

Die Voraussetzungen, dem erfolgreich zu begegnen, waren denkbar ungünstig. Unsere finanzielle Ausstattung war in all den Jahren prekär. Die Zusammensetzung unseres Führungspersonals bot mannigfachen Anlass für Spekulationen, Unterstellungen und üble Nachrede. Noch heute kursiert im Internet, eine auf Konrad Weiß zurückgehende Bemerkung, unser Institut hätte es sich zur Aufgabe gemacht, „Weißwaschliteratur“ zu produzieren.

Wie haben wir es dennoch geschafft, 22 Jahre lang wichtige Publikationen zum Thema auf den Markt zu bringen, zu interessanten Veranstaltungen mit namhaften Referenten einzuladen, viel beachtete Ausstellungen zu erstellen und zu gefragten Gesprächspartnern für Wissenschaftler aus dem In- und Ausland zu werden? Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Ich will nur drei Aspekte hervorheben:
Erstens möchte ich auf die gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Horst Dähn und mir verweisen. Hermann Weber, der Nestor der westdeutschen DDR- Geschichtsschreibung hat sie „ungewöhnliche deutsch-deutsche Zusammenarbeit“ genannt. Das gilt auch für die Mitglieder und Vorsitzenden des Vorstands unseres Trägervereins. Nennen möchte ich an dieser Stelle nur die ehemaligen Vorsitzenden Dr. Günter Krusche und Prof. Ralf Rytlewski, die Schatzmeister Dr. Ralf Pawelzik und Dr. Doris Ritschel, oder die langjährigen Mitglieder des Vorstands Winfried Staar, Gerburg Thunig-Nittner, Dr. Rosemarie Schumann und Reinhard Assmann.
Zweitens hatten wir von Anfang an gute christliche Freunde, die uns vertraut haben und uns stets mit Rat und Tat zur Seite standen. Sie haben viel dazu getan, dass dieser Kreis mit der Zeit immer größer wurde. Nennen möchte ich an dieser Stelle stellvertretend Bischof Dr. Christoph Demke, Martin Kramer, Dr. Christa Stache, Dr. Friedrich Winter, Helmut Zeddies und viele andere. Ich denke in diesem Zusammenhang aber auch an inzwischen verstorbene Freunde und Förderer wie Johannes Althausen, Hildegard Führ, Dr. Christa Lewek, Pastorin Be Ruys, Bischof Albrecht Schönherr und seine Frau Annemarie und nicht zuletzt an den unvergessenen Martin Ziegler, den wir in diesem Jahr zu Grabe getragen haben. Drittens haben wir es verstanden, Menschen für unsere Arbeit zu interessieren, in deren Leben Religion und Kirche bis dahin keine unmittelbare Rolle spielten, die das Thema aber interessant und wichtig finden, die von der Art und Weise, wie wir uns mit dieser speziellen Seite der Geschichte der DDR auseinandersetzen, angetan sind und die die Atmosphäre in unserem Institut inspirierend finden. Nennen möchte ich nur die Namen derjenigen, die derzeit unsere Arbeit durch regelmäßige ehrenamtliche Mitarbeit unterstützen: Dagmara Liepert, Ilse Scholz, Yvonne Voigt und Peter Schwanz.

Es ist mir ein Bedürfnis, an dieser Stelle allen Spendern zu danken, die mit kleinen oder größeren Spenden unsere Arbeit erst möglich gemacht haben. Ein besonderer Dank geht an Dr. Rainer Opitz, der seit Januar 2014 unsere Mietzahlung übernommen hat.

Gestatten Sie mir nunmehr einen kurzen Rückblick auf unsere Arbeit seit der Preisverleihung am 22. September 2014. Der schon in den zurückliegenden Jahren zu beobachtende Trend hat sich auch im zurückliegenden Jahr fortgesetzt: Einzelne Persönlichkeiten und auch Einrichtungen treten an uns heran und bitten um unsere Mitarbeit bzw. unsere Unterstützung: Auf diese Weise sind zwei erfolgreiche Publikationen erschienen, zu deren Entstehen wir in unterschiedlicher Weise beigetragen haben. Beide Bücher werden von uns herausgegeben so wie schon im Vorjahr die umfangreiche Publikation von Peter Maser über die Luther-Ehrungen 1983 in der DDR.

Es handelt sich zum einen um das Buch von Valentin Schönherr über seine Großmutter Hilde Schönherr mit dem schönen Titel „Träumen ist mir zu poetisch. Das Leben der Pfarrfrau Hilde Schönherr (1912-1962)“ und zum anderen um die Lebenserinnerungen des Fürstenwalder Superintendenten Günter Kuhn mit dem Titel „Fürchte dich nicht, glaube nur. Aus dem Alltag eines Pfarrers in der DDR“. Das Gleiche gilt auch für die Ausstellung zum 100. Geburtstag des Eberswalder Pfarrers und Superintendenten Erich Schuppan, die wir gemeinsam mit dem Heimatmuseum Eberswalde und der dortigen Kirchgemeinde nach dem Vorbild der von uns gestalteten Ausstellung über Albrecht Schönherr erarbeitet haben. Meine Damen und Herren, unsere Veranstaltungstätigkeit stand im zurückliegenden Jahr ganz im Zeichen des 25. Jahrestages des Falls der Berliner Mauer und der Herstellung der deutschen Einheit. Erinnert sei nur an die Veranstaltungen mit Martin-Michael Passauer, Axel Noack, Manfred Stolpe, Hans Joachim Meyer oder an die Reihe mit Filmen von Lew Hohmann zum gleichen Thema, die wir in Kooperation mit dem Zeughauskino Unter den Linden gezeigt haben.

Meine Damen und Herren, der 25. Gründungstag unseres Instituts rückt allmählich immer näher. Einige unter Ihnen werden sich fragen, wie es mit dem Institut künftig weitergehen wird. Ich kann diese Frage heute nicht abschließend beantworten. Soviel steht jedenfalls fest, der Vorstand unseres Trägervereins hat in Abstimmung mit mir beschlossen, intensiv darüber nachzudenken, wie wir das Institut bis dahin personell und inhaltlich erneuern können. Die Zeit dafür ist reif. Wir bitten Sie deshalb alle, die Sie an der Fortexistenz des Instituts interessiert sind, sich an diesem Nachdenken zu beteiligen und uns ihre Ideen und Vorschläge für eine solche Erneuerung zukommen zu lassen, wohl bemerkt, es geht uns um die personelle und inhaltliche Erneuerung.

Meine Damen und Herren, aus Anlass unseres 22. Gründungstages verleihen wir heute den Horst-Dähn-Preis 2015. Wir erinnern damit an den Mitgründer, langjährigen Leiter und Förderer unseres Instituts, der 2012 allzu früh verstorben ist. Ohne ihn hätte es dieses Institut nie gegeben. Darin eingeschlossen ist auch der Dank an Frau Dr. Dähn, ohne deren Hilfe in der Not wir das Institut längst hätten schließen müssen.

Ich bin sicher, dass Horst Dähn sich über die Wahl der Preisträgerin in diesem Jahr besonders gefreut hätte. Er war Gutachter ihrer Qualifizierungsschriften und hat die Preisträgerin für ihre akribische wissenschaftliche Arbeit und ihre persönliche Lauterkeit sehr geschätzt. Wie er so gibt auch sie nicht eher Ruhe, bis sie auch die versteckteste Quelle aufgespürt hat, um einen Sachverhalt kritisch zu beleuchten. Auch sie verwechselt ihre Profession als Historikerin nicht mit der einer Scharfrichterin, sondern versteht sich eher als Dienstleisterin für einen sachgerechten Umgang mit historischen Fakten und Zusammenhängen. Erwähnen möchte ich auch, dass Frau Silomon schon einmal als stellv. Vorsitzende des Vorstands unseres Trägervereins aktiv war.

Ich wollte mit diesen Bemerkungen nicht unserem heutigen Laudator vorgreifen, den ich noch einmal herzlich begrüßen möchte. Gerhard Rein wurde an der Weichsel geboren und ist in Bremen aufgewachsen. Er hat als Redakteur des Süddeutschen Rundfunks die Abteilung Kirche und Gesellschaft geleitet und berichtete von 1982 bis 1989 für den SDR aus der DDR.

Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen und wünsche Ihnen einen schönen und interessanten Vormittag.